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Geist & Materie


Bewusstsein ist eine Manifestation des Geistigen in der Welt (wie auch Geist, Seele, Psyche oder Mentales).

Das moderne Weltmodell betrachtet das grundlegende menschliche Dasein entweder als geistig oder materiell. Die menschliche Existenzbasis gehe entweder auf die eine Sphäre zurück oder auf die andere.

Nichtsdestotrotz verbinden manche menschliche Erfahrungen die unterschiedlichen Ebenen.

Dazu möchte ich in diesem Menüpunkt neuartige Gedanken formulieren und darlegen wie die Verbindung über Numonen möglich ist.

Numonen führen dazu, dass man mit einer gewissen Berechtigung sagen kann, alles sei mit allem verbunden.
Das fragmentische Bewusstsein weist darauf hin, dass auch der Bruch eine Wichtigkeit hat.

Dinge in Raum und Zeit
Dinge in Raum und Zeit
Verbindung Gestiges und Materielles
Verbindung Gestiges und Materielles
Nicht-dinglich, -örtlich & -zeitlich
Nicht-dinglich, -örtlich & -zeitlich
Geist-Materie-Dualismus
Geist-Materie-Dualismus
Nicht-rationale Erfahrungen
Nicht-rationale Erfahrungen

Materielle Ebene

Der Alltag verortet uns Menschen in einem dreidimensionalen Raum, in welchem wir uns über die Zeit hinweg bewegen. Die Wissenschaften erforschen und beschreiben die raumzeitliche Welt in einer gründlichen und verlässlichen Weise. Auf jeden Fall sehe ich das so. Erst da, wo die Forschenden tief ins Innerste der materiellen Welt vordringen, wird es schwierig mit gewohnten raumzeitlichen Vorstellungen.

Im aktuellen Standardmodell der Teilchenphysik gibt es mehrere Dutzend Elementarteilchen. Es hat sich also einiges getan, seit man vor nicht allzu langer Zeit das Atom und nichts anderes als den elementaren Baustein des Universums betrachtete. Manche der Elementarteilchen können wie die Atome als ein winziges Kügelchen, als ein Ding in Raum und Zeit, betrachtet werden. Doch bei manchen ist die Sache sehr viel komplizierter. So ist das Photon ein masseloses Teilchen. Und ist das Higgs-Boson dasjenige "Teilchen", das anderen Teilchen Masse verleiht. Und schliesslich gehören auch die vier physikalischen Wechselwirkungen zu den Grundelementen des Universums und das sind nun definitiv keine Kügelchen mehr.

Auch die Quantenphysik drängt über die alltäglichen Raum-Zeit-Dimensionen hinaus. So tritt das Elektron einmal tatsächlich wie ein Teilchen auf, dann aber auch wieder in Wellenform. Und auch die Quantenverschränkung ist höchst ungewöhnlich, wenn verschränkte Teilchen vielmehr einen gemeinsamen Zustand bilden als ein Teilchenpaar im Raum.

In der Teilchen- und Quantenphysik kommen Aspekte ins Spiel, die sich viel veniger gut erklären lassen als Elemente der klassischen Physik und Naturwissenschaften. Mathematik trägt immerhin dazu bei, konventionalle Grenzen zu überwinden; so half die Wahrscheinlichkeitsrechnung, das Gespenst der Quantenphysik etwas einzuhagen. Doch noch sind die Forschenden weit davon entfernt, eine einheitliche Interpretation davon zu haben, was beispielsweise Welle-Teilchen-Dualismus wirklich bedeutet.

Formulierungen wie "masseloses Teilchen" laufen meinem Alltagsverständnis arg zuwider. Doch immerhin lerne ich aus der teilweise verwirrenden Beschäftigung mit den physikalischen Grundlagen des Universums, dass man mit dem blossen Alltagsverständnis nicht sehr weit kommt, wenn man sich mit den Grundlagen beschäftigt. Man muss da schon ein bisschen um die Ecke denken.

Geistige Ebene

Die Erfahrung einer dinglichen in einer raumzeitlichen Welt bildet die Grundlage nicht nur für unsere Welterfassung, sondern auch für unser Denken und unsere Sprache. Entspreched kommt ein Wort auf das andere, folgt ein Gedanke folgt auf den vorherigen, füllen Bilder Räume. Sprache und Logik sind wie die materiellen Dinge in der Welt letztlich auch Manifestationen in Raum und Zeit. Doch die materielle Welt im Kleinsten entzieht sich dieser Erfahrung und das ist auch bei der geistigen Ebene der Fall. Es gibt kaum sprachliche Mittel, um sich mit dem Geistigen zu beschäftigen. .. Aus diesem Grund ist es beinahe unmöglich, sich sprachlich mit dem fragmentisch Geistigen zu befassen. Es ist nur schon ein Widerspruch, von einer geistigen "Ebene" zu sprechen, schliesslich ist eine Ebene eine lokale Entität. Ich suche nach wie vor geeignete sprachliche und gedankliche Möglichkeiten, wenn ich mich mit der fragmentischen Grundlage von Geist befasse. Aber immerhin gibt es Geist sehr wohl, wenn auch nicht auf dieselbe Art wie ein Baum oder ein Auto räumlich und dinglich. ...

Es gibt zahlreiche Ansichten dazu, was Geist eigentlich sei. Manche Menschen sagen sogar, Geist existiere in Wirklichkeit überhaupt nicht, Geist sei ein Trugbild, eine Illusion. Das allerdings widerspricht meinen eigenen Erfahrungen.

Das rationale Bewusstsein betrachtet Geist in aller Regel als Fähigkeit, als Denkvermögen und so ähnlich. Diese Art von rationalem Ich-Geist entsteht im Kopf der Menschen als flüchtiges Produkt der individuellen Hirnaktivität und ist folglich ein Emergenzprodukt aus dem Gehirn heraus. Sobald das Gehirn nicht mehr aktiv ist, endet der Geist in Nirgendwo. Wenn ich Geist mit meinen rationalen Bewusstseinsanteilen betrachte, dann sehe ich das auch so. Mit anderen Anteilen erfahre ich das allerdings als zu eng.

Durch den Einbezug alter Bewusstseinsformen, namentlich der mythischen und transzendenten, veränderte und erweiterte sich meine Wahrnehmung des Geistigen entscheidend. In der mythischen Wirklichkeit existiert Geistiges auch jenseits der individuellen Persönlichkeit in Kollektiven und teilweise sogar in der Natur oder überkollektiv in Transparenz. Diese Form des Geistigen bezeichne ich als Seele. Anders als beim rationalen Geist sprechen wir hier nicht von Emergenz, sondern von Ingression, wenn mythische Seele von aussen in einen menschlichen Körper eindringt. In diversen Traditionen nannte man das Eindringen von etwas Geistig-Seelischem aus der transzendenten Wirklichkeit Inkarnation. Wenn ich Geist/Seele mit meinen mythischen Bewusstseinsanteilen betrachte, dann geht es mir ebenso.

Und wenn ich heute die Welt auf der Basis meiner fragmentischen und pluralistischen Bewusstseinsanteile erforsche, dann betrachte ich Geist seinem Wesen nach als nicht-dinglich, nicht-räumlich und nicht-zeitlich, bzw. als immateriell, nonlokal sowie atemporal.

Diese Definition verursacht akute Differenzen gegenüber der materiellen Ebene. Der materielle Alltag verortet uns Menschen nämlich in einem dreidimensionalen Raum, in welchem wir uns über die Zeit hinweg bewegen. Das heisst, dass wir hier dingliche, örtliche und zeitliche Wesenheiten sind. Dies ist aber nicht nur die Grundlage für unsere Welterfassung, sondern auch für unser Denken und unsere Sprache: Ein Wort kommt nach dem anderen, ein Gedanke folgt auf den vorherigen, Bilder füllen Räume. Sprache und Logik sind wie die materiellen Dinge letztlich auch Manifestationen in Raum und Zeit.

Aus diesem Grund ist es beinahe unmöglich, sich sprachlich mit dem fragmentisch Geistigen zu befassen. Es ist nur schon ein Widerspruch, von einer geistigen "Ebene" zu sprechen, schliesslich ist eine Ebene eine lokale Entität. Ich suche nach wie vor geeignete sprachliche und gedankliche Möglichkeiten, wenn ich mich mit der fragmentischen Grundlage von Geist befasse. Aber immerhin gibt es Geist sehr wohl, wenn auch nicht auf dieselbe Art wie ein Baum oder ein Auto räumlich und dinglich.

Geist ist ein immaterielles, nonlokales sowie atemporales Etwas. Und umgekehrt ist er ein dingliches, räumliches und zeitliches Nichts. Doch trotz dieser Charakteristika können uns die meisten Formen des Geistlichen in zeitlicher und räumlicher Weise begegnen. Rationale Menschen verorten den Geist vor allem in ihrem Kopf, mythische Personen hauptsächlich in ihrem Herzen. Diese individuellen Geistformen sind zeitlebens mit dem Körper verbunden, nicht aber vorher und nachher. Überindividuelle Geistformen sind mit einzelnen Kollektiven und Kulturen verknüpft. Gedanklich und sprachlich sammelt sich Geistiges in Bedeutungsfeldern zusammen.

Ausgehend von diesen höchst seltsamen Verbindungen können wir Menschen mit diesen fragmentischen Formen des Geistigen immaterielle, nonlokale sowie atemporale Erfahrungen machen und ebensolche Phänomene erkennen und erschaffen. Solche Verbindungen innerhalb des Geistigen sind insofern seltsam als sie über die bisherigen Bewusstseinsformen hinausgehen und zum neuen fragmentischen Bewusstsein gehören.

Für meine Überlegungen und Erfahrungen in den bisherigen Bewusstseinsformen orientiere ich mich an folgenden Bedeutungsfeldern als Varianten des Geistigen:

(1) Ich-Geist, Mentales (engl. mind) - Das individuell Geistige als Wahrnehmung des rationalen Bewusstseins
(2) Geist (engl. spirit) - Überindividuell Geistiges sowohl rational wie mythisch
(3) Seele (gr. psyché) - Das Geistige als Erfahrung des mythischen Bewusstseins
(4) Psyche - Gesamtheit von Gedanken und Gefühlen aus Sicht des rationalen Bewusstseins
(5) Bewusstsein - Fähigkeit bestimmte Wirklichkeitsaspekte zu bemerken und darüber nachzudenken

In eine andere Richtung analysiert kann das Geistige auf drei unterschiedlichen Ebenen vorkommen:

1) Individuell – Auf einzelne Persönlichkeit bezogen
2) Kollektiv – Überpersönlich, auf Kollektive- und Menschheit bezogen
3) Universell – Überkollektiv, auf das Grosse-Ganze bezogen

Ausserdem kann uns das Geistige auf drei Arten begegnen:

A) Präsent – Dieses Geistige ist bekannt und wir können darüber nachdenken (Wissen und reflexives Bewusstsein)
B) Wirksam – Dieses Geistige ist nah an uns dran und beeinflusst uns, ohne dass wir es kennen (z.B. Unbewusstes)
C) Präsent – Dieses Geistige ist bekannt und wir können darüber nachdenken (Wissen und reflexives Bewusstsein)

Schliesslich gehe ich noch einmal auf meine Kerncharakteristik ein: Seinem Wesen nach ist Geistiges nicht-dinglich, nicht-örtlich und nicht-zeitlich. Oder anders gesagt: Mit diesen Formen des Geistigen können wir Menschen immaterielle, nonlokale sowie atemporale Erfahrungen machen und ebensolche Phänomene erkennen und erschaffen.

Ein philosophisches Problem

Vor fast vierhundert Jahren hat der berühmte Philosoph René Descartes das Leib-Seele-Problem formuliert. Er hat erkannt, dass Seele und Denken (die res cogitans, das Denkende) einerseits von einer ganz anderen Substanz sind als Körper und Materie (die res extensa, das Ausgedehnte) andererseits. In der heutigen Philosophie wird dieselbe Unterscheidung meist als Körper-Geist-Dualismus beschrieben. Körper und Geist gehören völlig unterschiedlichen Seinssphären an und keine Wissenschaft kann erklären, wie Geist auf Materie einwirken könnte, weil die Komponenten grundverschieden sind.

Das Problem ist zunächst noch nicht sehr dramatisch, weil die rationale und die mythische Bewusstseinsformen in ihrem Kern monistisch sind. Deshalb entscheiden sich die entsprechende Personen seit vielen hundert Jahren, bewusst oder intuitiv, entweder für die eine oder die andere Seite als Grundlage ihrer Weltsicht und Welterfahrung.

Entweder wird Materialismus als physikalische Grundlage der Welt festgelegt. Der griechische Philosoph Demokrit legte sich bereits vor zweieinhalb tausend Jahren so fest, indem er Atome (griech: atomos, unteilbar) als Ursprung der Wirklichkeit festlegte. Wer sich im Rahmen des Materialismus bewegt, wird Geist und Bewusstsein typischerweise als Emergenzphänomen betrachten. Das Geistige ist dabei ein Produkt des Gehirns auf Basis physikalischer und chemischer Verbindungen. Ohne Gehirn gibt es nichts Geistiges in der Welt.

Umgekehrt legte sich Platon in der griechischen Antike auf eine ideale Grundlage des irdischen Daseins fest (griechisch: idea, Idee, Urbild). Im Idealismus gelten transzendente Ideen und übergeordnete Seelen als die eigentliche Wirklichkeit und nicht die materiellen Phänomene. Wer sich einer Form des Idealismus hingibt, erfährt das Bewusstsein als Ingressionsphänomen. Die physikalische Welt ist dabei ein Produkt des Bewusstseins, des Geistes, der Seele. Wenn Geistiges oder Seelisches in den menschlichen Körper dringt, dann gilt das seit jeher als Inkarnation und Ingression.

Es gibt gute Argumente für beide Positionen. Für Idealismus spricht beispielsweise die Tatsache, dass der einzige direkte Kontakt zu Realität in unserem Bewusstsein geschieht. Für Materialismus können wir anführen, dass unser Bewusstsein nicht wirklich über Raum- und Zeitstrukturen hinauskommt. Die jeweils andere Seite wird zu einer abhängigen Komponente erklärt und zuweilen sogar als inexistent oder illusorisch betrachtet. Der Vorteil einer Festlegung für die eine Seite besteht natürlich darin, dass man sich in einer homogenen Wirklichkeit befindet ohne Widersprüche zwischen grundverschiedenen Sphären. Der Nachteil liegt allerdings darin, dass das zum Preis einer eingeschränkten Gesamtwirklichkeit geschieht.

Auch ich selber habe seit dem Beginn meines Studiums als Philosoph die monistische Wirkung des rationalen Bewusstseins gespürt und mich innerlich gedrängt gefühlt, mich für die eine oder andere Seite zu entscheiden. Einmal sah ich mich als Materialisten, dann ein paar Jahre als Idealisten, später wieder umgekehrt und so weiter. Das war ein ziemlich frustrierendes Ringen um Eindeutigkeit, welches erst abebbte, als sich in mir das fragmentische Bewusstsein mit seiner tiefgreifenden Pluralität zu regen begann. Heute akzeptiere ich beide Sichtweisen als gleichwertig und gleichzeitig. Unter der Wirkung des fragmentischen Bewusstseins hat das Universum sowohl einen materialistischen als auch einen idealistischen Ausgangspunkt. (Und vermutlich noch weitere. Das Universum dürfte deutlich vielfältiger sein als unsere bewusste Welterfahrung hergibt.)

Im Rahmen des fragmentischen Bewusstseins mit gleichzeitig idealistischer und materialistischer Grundlage stellt sich das Geist-Materie-Problem ziemlich eindringlich. Eine irgendwie geartete Verbindung zwischen Geist und Materie, zwischen Seele und Körper, scheint nötig. Nach langer Forschung postuliere ich die Existenz von Numonen, welche in Universum eine Wechselwirkung von Geistigem und Materiellem darstellen. Details dazu weiter unten.

Ein spirituelles Problem

In der ersten Phase meines Erwachsenenlebens war ich ein typisch rationaler Mann. Ich war Ehemann und Vater, stand im Berufsleben, beteiligte mich an der Gesellschaft und hatte wissenschaftlich fundierte Meinungen. Niemand hätte mich als spirituellen Menschen bezeichnet. Ich selber schon gar nicht.

Doch im Alter von rund vierzig Jahren kam ich über einige Umwege zu punktuellen Geschehnissen, die mir zu denken gaben. In sog. Familienaufstellungen bin ich beispielsweise mit einer Kraft in Kontakt gekommen, die mich über eine grosse zeitliche und räumliche Distanz hinweg mit Erfahrungen eines mir völlig unbekannten Menschen versorgt und bei mir starke Gefühle und heftige Reaktionen ausgelöst hatte. Natürlich dachte ich intensiv über Suggestion, Gruppenhypnose und dergleichen nach, weil diese Erklärungen meinem damaligen Weltbild entsprachen. Der rationale Weltzugang versteht spirituelle Erlebnisse psychologisch und als Resultat neuronaler Vorgänge im eigenen Gehirn. Doch meine damaligen Erfahrungen gingen deutlich über Neurologie, Psychologie und Soziologie hinaus.

In mir entstand die Ahnung, dass es da noch „etwas“ geben muss, das über mein bisheriges Wissen hinaus geht.

In den darauffolgenden Jahren habe ich mich ausgiebig mit schamanischen Traditionen beschäftigt und die Seele als alte Selbst-Form der mythischen Wirklichkeit kennen gelernt. Bald war mir klar, dass die oben angesprochenen Gefühle und Reaktionen auf eben dieser Seelenebene vermittelt worden sein mussten.

Doch meine Frage nach dem ermöglichenden „Etwas“ war damit noch nicht beantwortet, sondern bloss verschoben. Während ich nun akzeptieren konnte, dass es auf der Seelenebene und in der mythischen Wirklichkeit, wie ich die Ebene unterdessen verallgemeinernd nannte, Wirksamkeiten gab, die überpsychologische Erfahrungen ermöglichen, so blieb die Frage bestehen, wie das funktioniert.

Die bekannten Wechselwirkungen, die vier Grundkräfte der modernen Physik, kamen als Begründung nicht infrage, weil sie sich ausschliesslich auf materielle Grundlagen beziehen. Und auch die üblichen individual- und gruppenpsychologischen Erklärungen griffen zu kurz. Das „Etwas“, das dies möglich machte, ging nicht nur über mein eigenes, sondern auch über das naturwissenschaftliche und psychologische Wissen hinaus.

Mit Numonen bringe ich zuletzt ein Element ins Spiel, welches wenigstens in Ansätzen über die Begrenzungen der physikalischen Kausalitäten hinausgeht und Geist, Seele, Bewusstsein mit materieller Dinglichkeit verbindet.

Fragmentischer Ausweg aus den Dilemmata

Rationales Erkennen ist analytisch. Wer sich der Welt auf Basis des rationalen Bewusstseins nähert, wird in erster Linie Unterschiede wahrnehmen. So tritt die auch die Trennung von Geist und Materie zutage.

Demgegenüber ist mythisches und spirituelles Erfahren synthetisch. Hier werden Geist und Materie sehr wohl als verbunden erlebt.

Das fragmentische Bewusstsein ist im Kern pluralistisch ist und praktiziert vielerlei Perspektivenwechsel. Je nach Perspektive sind deshalb beide Varianten möglich. Aus rationaler Perspektive werden Geist und Materie als vollständig separiert wahrgenommen und aus mythisch-spiritueller Warte auch in ihrem Verbindungen. Als schöpferischer Ursprung der Welt kann gleichermassen geistiger Idealismus oder materieller Urknall betrachtet werden, wenn auch nicht gleichzeitig.

Falls man sich mit dem fragmentischen Bewusstsein bekannt macht, ist es intellektuell sehr einfach, den doch ziemlich simplen Gedanken anzunehmen, dass mehrere Grundannahmen zum Ursprung der Welt möglich sind. Aber emotional ist es sehr schwierig hinzunehmen, dass die Ursprünge nicht universell gelten. Das mythische, das transzendente und das rationale Bewusstsein haben zahlreiche Unterschiede aber auch eine wichtige Gemeinsamkeit: Sie alle zielen auf ein einzig Letztes hin, auf uranfängliche Einheit, auf absolute Wahrheit, auf letzte religiöse Gewissheit, auf singulären Urknall, auf absolute Klarheit, auf vollkommene Sicherheit, auf logische Letztbegründung. Im fragmentischen Bewusstsein sind das alles einzelne Perspektiven, bzw. Fragmente, und es gibt keine eindeutige Lösung über alle Perspektiven hinweg.

Ein Mensch mit fragmentischen Hauptbewusstsein enthält die früheren Bewusstseinsformen immer noch. Die inneren Teilpersönlichkeiten mit bisherigem Bewusstsein streben nach wie vor nach Monismus und Reduktionismus auf enziges Letztes hin. Ich jedenfalls habe einige Jahre gebraucht, bis ich die grundsätzlichen Perspektivenwechsel des fragmentischen Bewusstseins nicht nur oberflächlich akzeptieren konnte.

Ein Lösungsvorschlag: Numonen

  • Im Universum gibt es nicht nur materielle Elementarteilchen, sondern auch geistige Entitäten.
  • Materie und Geist haben zuerst unabhängig voneinander eine Evolution durchgemacht.
  • Auf irdischer Grundlage dürfte es eine Verbindung zwischen den ansonsten vollkommen getrennten Dimensionen des Geistigen und des Materiellen geben.
  • Materielles: Universum, Materie, Gegenstände, Natur, Biologie, Körper, Lebewesen, Menschen.
  • Geistiges: Geist, Seele, Bewusstsein, Psyche, Mentales, Gedankengefühle, Bedeutungsfelder, Numonen.
  • Numonen bieten allem Geistigen eine Trägerbasis.
  • Numonen fungieren als Welchselwirkung innerhalb der geistigen Formen und zwischen Geist und Materie.
  • Geistiges ist nicht an Raum und Zeit gebunden D.h. mit Formen des Geistigen können wir Menschen nichtmaterielle, nonlokale sowie atemporale Erfahrungen machen und Phänomene erkennen.
  • In den numonalen Wechselwirkungen entwickeln sich Bedeutungsfelder und Wirkungsfelder.
  • Formen des Geistigen sind einzig an ihren Wirkungen via Numonen erkennbar.
  • Als Begründung für Existenz und Beschaffenheit von Geistigem gelten Beobachtungen und Erfahrungen, welche einen Wirkmechanismus erfordern, der über die rational und wissenschaftlich anerkannten hinausgeht.

Kein Mensch hat je ein Numon gesehen. Auch von mir kann ich das nicht behaupten. Unsere menschlichen Sinne sind dazu nicht imstande. Ein wie auch immer geartetes Instrument, um die Existenz von Numonen zu bestätigen, scheint mir ebenso undenkbar. Insofern sind meine Gedanken zu Numonen spekulativ.

Ich möchte mich selber auf keinen Fall als träumerischer Fantast sehen und versuche seit Jahren, ohne die Idee mit Numonen auszukommen. Es gibt indessen einen einfachen Grund, wieso ich daran hängenbleibe: Numonen mögen nicht direkt wahrnehmbar sein; ihre Wirkungen sind es aber sehr wohl.

Oben habe ich vorgeschlagen, über Numonen eine Verbindung der ansonsten voneinander unabhängigen Dimensionen des Geistigen und des Materiellen aufzunehmen, um damit ein uraltes philosophisches Dilemma zu lösen. Ebenso habe ich erwähnt, dass mithilfe von Numonen zahlreiche eher spirituelle Erfahrungen erklärt werden können, ohne auf beliebige esoterische Behauptungen zurückgreifen zu müssen. Und darüber hinaus meine ich, dass viele sprachliche und kollektive Phänomene der Menschen über die Wechselwirkung von Numonen ganz zwanglos begründet werden können.

Eine Möglichkeit, um auf Numonen zu verzichten, bestünde meines Erachtens darin, ihre verbindenden Eigenschaften direkt dem Geistigem zuszuchreiben. Dann müsste ich aber davon ausgehen, dass sich Entitäten wie Geist, Mentales, Seele oder Bewusstsein ohne die Überbrückung durch Numonen selber untereinander und mit dem Materiellen verbinden. Das entspricht aber nicht der herkömmlichen Bedeutung des Geistigen in unserer Welt und ich ziehe eine zusätzliche Entität vor, indem ich sie postuliere.

Postulate sind denkerisch notwendige Annahmen, das Postulieren ein Grundvorgang in der Erweiterung des Wissens. Ich postuliere die Existenz von Numonen, weil ihre Wirkungen zur Kenntnis genommen werden können.

Ähnlich wurde beispielsweise in den 1960er Jahren vom britischen Physiker Peter Higgs die Existenz des Higgs-Bosons vorhergesagt. Doch erst im Jahr 2017 konnten im CERN in Genf Messungen angestellt werden, die als Nachweis für dessen Existenz gelten. Hier hat es fünfzig Jahre gedauert, bis die postulierte Voraussage bestätigt werden konnte. Im Falle von Gravitationswellen, die eine Folge von Albert Einsteins Relativitätstheorie sind, vergingen sogar hundert Jahre bis zur empirischen Bestätigung. Vielleicht kann in einigen Jahrzehnten auch mein Postulat von Numonen bestätigt.

Doch andererseits ist es auch denkbar, dass die zukünftigen Menschen meine postulierten Numonen verwerfen werden. Genauso wie die Annahme eines Äthers als Transportmittel für Licht abgelehnt wurde, nachdem rund zweihundert Jahre später das Photon entdeckt worden war, das als Teilchen durch das Vakuum des Weltraums reisen kann und anders als Schall kein Trägermedium braucht.

Schliesslich kann das erdachte Postulat auch zu mehrdeutigen Ergebnissen führen, so wie bei Christoph Kolumbus. Er folgerte damals aus der gegebenen Geografie heraus, dass die Erde ein Kugel sei und die Seefahrt Indien auch westwärts erreichen könne. Leider musste sein Postulat unterschiedlich verstanden werden, weil das Schiff tatsächlich in eine zulässige Richtung fuhr, aber gleichzeitig vom amerikanischen Kontinent unterbrochen wurde.

So könnte es auch mir gehen. Es wird sich weisen.

Allerdings strebe ich nicht nach Bestätigung durch die Wissenschaft noch durch eine Gemeinschaft. Mir ist es wichtiger, meinen eigenen Ansprüchen nach Redlichkeit und Weite sowohl in intellektueller als auch in spiritueller Hinsicht gerecht zu werden. Anders gesagt: Ich will weder meine Intelligenz beleidigen noch meine Einfühlsamkeit beschränken. Dadurch kann ich meinen Möglichkeitenraum erweitern und freier mit der Thematik umgehen.

Der Begriff "Numonen" geht auf die griechischen Wörter „noumenon“ und nous“ zurück, die ganz allgemein für etwas „Geistiges“ stehen. Bei mir gelten Numonen als Einheiten, die einerseits innerhalb des Geistigen Zusammenhänge bilden und andererseits die Verbindung von Geistigem und Materiellem verwirklichen.


Weitere Ausführungen werden folgen.

  Auspexis: Entwicklung des menschlichen Bewusstseins