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Evolution des Bewusstseins

Bewusstsein und Wirklichkeiten

Die Evolution der Menschheit betrifft nicht nur Gene und Biologie, sondern auch das Bewusstsein. Über lange Zeit hinweg sind mehrere Bewusstseinsformen und Wirklichkeiten entstanden, die sich merklich unterscheiden.

Eine Bewusstseinsform ist eine vorbewusste Struktur, die beeinflusst, was überhaupt ins Bewusstsein eines Menschen gelangt und wie es dort verarbeitet wird. Eine Wirklichkeit ist der entsprechende Weltausschnitt, mit charakteristischen Merkmalen und Tendenzen für die Weltwahrnehmung und Deutung.

Wer sich in eine bestimmte Wirklichkeit hineinbegibt, setzt sich automatisch den Wirksamkeiten der entsprechenden Bewusstseinsform aus. Menschen, die sich in unterschiedlichen Wirklichkeiten befinden, haben nicht denselben Weltausschnitt zur Verfügung, weil ihr Bewusstsein die Welt anders aufbereitet und bewertet.

Auch heute stehen uns noch alle Wirklichkeiten zur Verfügung und alle Bewusstseinsformen entfalten ihre Wirkung. Auch die alten.

Gegenwärtig gibt es in der westlichen Welt eine fundamentale Rivalität zwischen dem mythischen und dem rationalen Weltzugang, die sich in zahlreichen persönlichen, politischen und gesellschaftlichen Auseinandersetzungen niederschlägt.

Nachfolgend stelle ich die Bewusstseinsentwicklung über die Zeit kurz dar.

Evolution des Bewusstseins

Das erweiterte Modell von Wirklichkeiten, welches hier Anwendung findet, beschreibt folgende Evolution des menschlichen Bewusstseins:

Altes Wissen in alten Bewusstseinsformen und Wirklichkeiten:
- Archetypisch - Uranfängliche Einheit. Selbst- und Bewusstlosigkeit
- Magisch - Wirksamkeit. Natur und Körperlichkeit
- Mythisch - Seelenselbst im Stamm. Alles ist bedeutungsvoll
- Transzendent (auf Basis des Mythischen) - Jenseitige Bereiche. Kosmos, Ahnen, Göttinnen und Götter

Aktuelles Hauptbewusstsein in der Spätphase:
- Rational - Autonomes Ich-Individuum. Die Welt erkennen
- Transzendent (auf Basis des Rationalen) - Überpersönliche und übersinnlich. Religionen, Metaphysik, Abstraktionen

Neues Bewusstsein:
- Fragmentisch - Pluralismus, Perspektivenwechsel, Mitgefühl, Desintegration des Individuums, evolutionäres Universum

Vor-Bewusstsein
Vor-Bewusstsein
Wirken in der Natur
Wirken in der Natur
Seelenwelt
Seelenwelt
Universell & Jenseits
Universell & Jenseits
Materielle & mentale Welt
Materielle & mentale Welt
Das Nicht-Ganze im Blick
Das Nicht-Ganze im Blick

Archaisches Bewusstsein

Über das Bewusstsein der frühen Menschen können wir nur spekulieren. Der archaische Mensch war zweifellos in der Welt, aber er dürfte sich nicht wirklich bewusst mit dieser Tatsache beschäftigt haben.

Die archaischen Menschen waren sehr lebenstüchtig, sonst würde es uns heute nicht geben, aber in Bezug auf Bewusstseinsinhalte, Erfahrungen und Bedeutungen waren sie noch nicht geformt. Archaische Menschen nahmen selbstverständlich vielerlei Unterschiede, womöglich sogar präziser als wir heute, doch die archaische Bewusstseinsform brachte dem Menschen keine Unterscheidungen ins Bewusstsein. Jener Mensch war kein bewusstseinsmäßig abgegrenztes Individuum in einer bewusstseinsmässig erfassten Umwelt.

Was das Bewusstsein als Bewusstheit betrifft, war der archaische Mensch nichts und gleichzeitig alles.

Eine Ahnung davon erhaschen können wir heutigen Menschen, wenn wir versuchen, das archaische Bewusstsein zu aktivieren. Dann sind wir alles und nichts. Bloss merken wir es nicht, wenn es gelingt. Das archaische Bewusstsein ist ein Vor-Bewusstsein und Pseudo-Bewusstsein, denn es bedeutet Ichlosigkeit, Seelenlosigkeit, Weltlosigkeit und letzten Endes Bewusstlosigkeit. Und wohl gerade deshalb wird dieser Zustand gerne als natürliche und erstrebenswerte Einheit gesehen. Dann wirkt und lockt archaisches Bewusstsein als Sehnsucht nach Einheit und Einfachheit.

Magisches Bewusstsein

Über viele zehntausend Jahre hinweg entwickelte das magische Bewusstsein einen Weltzugang, mit dem nicht mehr nur in der Natur gelebt, sondern die Natur erlebt wurde. Jenen Menschen erschien nach und nach eine bewusste äussere und dingliche Welt. Sie haben die archaische Einheit verloren, als sich ihr Bewusstsein immer mehr um Kräfte und Wirkungen in der Natur zu drehen begann. Schrittweise setzten sie an, Kräfte zu studieren und Rituale mit der Natur auszuhandeln. So entstanden in jener Zeit und auf der ganzen Welt erste Repertoires an Gebräuchen, um Kräfte zu beherrschen und durch sie zu wirken. In Ritualen, Beschwörungen, Zauber und Magie wurden die Kräfte der Natur in das bewusste Leben eingebunden.

Die magische Phase ist eine faszinierende Epoche, aber für uns moderne Menschen ist es nicht einfach, tief in die magische Wirklichkeit einzutauchen, weil sich unser heutiger Weltzugang sehr stark um Individualität und Zeitlichkeit dreht. Das Magische hat keine Vorstellung von einem abgegrenzten Selbst. Und wenn wir heute das magische Bewusstsein aktivieren, dann scheint sich unser Selbst aufzulösen, was leicht in Angst mündet. Im Magischen existiert auch kein Zeitempfinden. Bewusstseinsinhalte werden vom magischen Bewusstsein nicht in eine zeitliche Ordnung gebracht.

Im zeit- und ichlosen magischen Bewusstsein kann Moral keine Rolle spielen. In ihm gibt es auch kein Subjekt, das eine Schuld auf sich laden oder ein Verdienst erringen könnte. Magisches Bewusstsein erlebt direkt Kräfte und ihre Wirkungen. Deshalb ist es auch die magische Wirklichkeit, in der Magie geschieht. Magie ist der absichtsvolle Umgang mit Kräften und Wirkungen außerhalb des physikalischen Spektrums.

Leider führt die Vertrautheit mit Kräften und Wirkungen im negativen Fall auch immer wieder zur Anwendung von Macht und Gewalt. Doch die unverstellte Natürlichkeit der magischen Wirklichkeit, die einer ungenierten Körperlichkeit entspricht, stellt umgekehrt auch für die modernsten Menschen eine unverzichtbare und wunderbare Ressource dar.

Mythisches Bewusstsein

Nach der letzten Eiszeit tauchte im Menschen ein merkliches Selbst-Bewusstsein auf. Das magische Bewusstsein von Naturkräften wurde ergänzt durch ein Bewusstsein der Seele. In mancherlei Hinsicht wurde der Mensch dadurch menschlich. Welch gewaltiges Potential das Seelische mit seiner innewohnenden Dynamik hatte, zeigt die Tatsache, dass alle frühen Hochkulturen dieser Erde in der zweiten Hälfte des mythischen Zeitalters entstanden sind.

Der Begriff des mythischen Bewusstseins kommt von «Mythos» im ursprünglichen Sinn als bedeutungsvolle Erzählung. Ein Mythos dient in erster Linie dazu, den Menschen einer Gemeinschaft eine gemeinsame Weltsicht und Zusammenhalt zu vermitteln. So wurde der jeweilige Stand von Wissen und Weisheit ausgedrückt.

Der mythische Mensch nimmt sich und seine Mitmenschen als beseelte Wesen wahr. Je nach Stammesmythos wird er auch Vorfahren, Stämme, Tiere, Pflanzen, Geländeformen, Felszeichnungen oder weitere Teile des Kosmos als beseelte Wesen achten. Das mythische Bewusstsein erzeugt auf diese Weise eine tiefgreifende Verbindung von Menschen mit der umgebenden Natur, weshalb die Erde gerne als "Mutter Erde" verehrt wird.

Das mythische Bewusstsein ist weitgehend ein Stammesbewusstsein. Das einzelne Seelen-Selbst ist stets mit seinem Stamm und Kollektiv verbunden. Was dem Stamm geschieht, geschieht auch den Einzelnen und was der einzelnen Seele geschieht, geschieht auch dem Stamm. Das mythische Kollektiv lässt sich typischerweise in der Form eines Kreises nieder. Loyalität und Geschlossenheit innerhalb einer Gemeinschaft sind zentral und das bedeutet umgekehrt leider auch, dass Aussenstehende in der Regel als weniger wertvoll betrachtet werden. Diese ausschliessende Haltung ist ein höchst negativer Aspekt des mythischen Bewusstseins, der in unserer Gegenwart viele fragwürdige Rivalitäten auf politischer, gesellschaftlicher, religiöser und kultureller Ebene auslöst.

Es gibt glücklicherweise Kulturformen, die alte magisch-mythische Techniken in unsere Tage gerettet haben. Kräuterfrauen zum Beispiel oder auch Schamanen. Schamanismus ist ein Sammelbegriff für eine Vielzahl von mythischen Praktiken und Kosmologien. Ihnen ist gemeinsam, dass sie die Existenz nichtmenschlicher und nichtphysikalischer Kräfte und Mächte, die sie oft personalisieren, für selbstverständlich halten und dass sie entsprechend einen Umgang mit ihnen pflegen, von dem auch moderne Gesellschaften wieder lernen können.

Wenn wir heutzutage mythisches Bewusstsein aktivieren und in eine mythische Wirklichkeit eintauchen, dann können wir enorm profitieren: Der mythische Zugang zur Natur ist jederzeit respektvoll, die Verbindung unter den Menschen eines Kreises gewogen. Aber insbesondere ist das mythische Bewusstsein nützlich, um das eigene Seelenselbst als tiefe Innerlichkeit zu erforschen. Weit tiefer als es die rationale Psychologie vermag. Das mythische Bewusstsein ist ein wunderbarer Herzöffner zur Welt der Menschen und zur Ebene der Lebewesen.

Transzendentes Bewusstsein

Das transzendente Bewusstsein ist ein Spezialfall, weil es schon während der mythischen Ära entstanden und dann auch eine wesentliche Ergänzung des rationalen Bewusstseins, das ebenfalls aus dem mythischen hervorgegangen ist, geworden ist.

Im ursprünglichen mythischen Bewusstsein waren die überragenden Figuren, an denen man sich orientierte, die Weisen, Heiligen und Mächtigen, noch Teil der irdischen Welt gewesen. Über Jahrtausende entfernten sie sich dann immer weiter zu privilegierten Orten, auf hohe Berge und schliesslich in mehr oder weniger überirdische Bereiche. Nach und nach wurden sie zu Ahninnen und Ahnen, zu Göttinnen und Göttern ausserhalb der Alltagserfahrung. Die nordischen und griechischen Mythen sind äusserst kraftvolle Darstellungen dieser Verhältnisse. Das Heilige und das Profane begann sich zu scheiden.

Und obwohl das nach-mythische rationale Bewusstsein mehr als zweitausend Jahre lang mit grossen Anstrengungen versucht hatte, ohne eine transzendente Sphäre auszukommen, indem es die gesamte Welterfahrung als wissenschaftlich, mental und psychologisch zu erfassen suchte, brauchte letztlich auch das Rationale einen Bereich, in dem es die Erfahrung von etwas Überindividuellem, Übersinnlichem und die logischen Grundlagen Übersteigenden einordnen konnte.

Mit dem transzendenten Bewusstsein rationaler Prägung wurde das Jenseits völlig vom irdischen Dasein abgetrennt. Beispielhaft dafür ist der Unterschied des christlichen Gottes aus dem Alten Testament, der in der Genesis sogar noch auf der Erde wandelte, und des neutestamentarischen Gottes, der gar keine Beziehung mit dem Irdischen mehr unterhält.

Das transzendente Bewusstsein befasst sich mit dem Überindividuellen, Metaphysischen, Absoluten, Höheren, Spirituellen oder Religiösen in all seinen Facetten. Es eröffnet den Zugang zu einem höheren Wissen und zu kosmischen Gegebenheiten, die mehr sind, als ein einzelnes Individuum je erwerben könnte. Und es kann wie jedes andere Bewusstsein eine Teilantwort auf die großen Sinnfragen des Menschen leisten: Auf welche Weise gibt es mich? Wieso bin ich hier? Was kommt nach mir?

Rationales Bewusstsein

Die rationale Weltsicht richtet individuellen Verstand und Vernunft auf ein physikalisches Universum. Das Mentale arbeitet sich am Materiellen ab. Anders als mythische Lehren, die typischerweise innerhalb einer Gemeinschaft behalten werden, sind Theorien und Technologien von ihrem rationalen Selbstverständnis her auf Transparenz und Öffentlichkeit hin angelegt. Die rationale Welt der kausalen Wechselwirkungen ist in vielerlei Hinsicht eine sichere Wirklichkeit mit vorher nie dagewesenen Möglichkeiten; etwa in der Notfallmedizin oder Chirurgie.

Im rationalen Bewusstsein dreht sich eigentlich alles um das autonome Individuum. An die Stelle eines seelischen, traumhaften Selbsts, das sich vielfältigen mythischen Bedeutungs- und Beziehungszusammenhängen zugehörig empfindet, tritt mit dem rationalen Bewusstsein ein von sich selber herdenkendes Ich-Selbst auf. Das rationale Subjekt nimmt stets eine perspektivische Position in Bezug auf ein als objektiv betrachtetes Äusseres ein. So sehr, dass sogar das psychische Innere als ein Äusseres erfahren wird, das etwa durch Introspektion geschaut werden kann.

So präsentiert sich das ichzentrische Selbst des rationalen Bewusstseins als autonome und im eigentlichen Sinn des Wortes Selbst-bewusste Einheit.

Eine der zentralen Errungenschaften des rationalen Bewusstseins ist die tiefgreifende persönliche Wahlfreiheit im eigenen Leben. Problematisch ist dagegen die Situation des entfremdeten Individuums, das an der Trennung des Ich-Selbsts von der Aussenwelt und von anderen Menschen leidet.

Fragmentisches Bewussstsein

Im Laufe des 20. Jahrhunderts hat das rationale Bewusstsein seinen Zenit erreicht. Es wird wie die früheren Bewusstseinsformen auch weiterwirken, aber seine Bedeutung als westliches Hauptbewusstsein einbüssen. Doch was kommt als Nächstes? Wie wird das neue Bewusstsein sein? Wir können es nicht wissen. Aber wir können Techniken und Weisheit der bisherigen Bewusstseinsformen nutzen und die bereits sichtbaren Spuren der neuen erforschen. Diesem Vorhaben widme ich meine Zeit und Energie. Hier ein paar vorläufige Hinweise, in welche Richtung es gehen dürfte. Ich werde das Thema Schritt für Schritt ergänzen.

Ich bezeichne das sich neu zeigende Bewusstsein als fragmentisch. Mir ist klar, dass dies dem spirituellen Mainstream widerspricht, der vielmehr ein integrales Bewusstsein aufkommen sieht. Ich habe jahrelang ebenfalls in diese Richtung tendiert, mich aber immer wieder an Unstimmigkeiten gestossen. Mit dem fragmentischen Bewusstsein baue ich nun auf meiner eigenen Welterfahrung auf.

Das neue Bewusstsein zeigt sich mir als zutiefst pluralistisch. Mit einem ausgeprägten Sinn für Perspektivenwechsel. Während das rationale, mythische wie auch das transzendente Bewusstsein eine einmal verankerte Sichtweise nur sehr ungern aufgibt, gefällt sich das neue in der Veränderung. So werden viele angeblich unverbrüchliche Deutungsmonopole ihre Wirkung verlieren.

Aber es geht noch weiter: Anders als integrales Bewusstsein distanziert sich das fragmentische nicht von Trennungen oder Gegensätzen, vielmehr lenkt es die Aufmerksamkeit sogar ausdrücklich auf Bruchstücke, Widersprüche, Paradoxien und dergleichen. Daher die Namensgebung abgeleitet von Fragmenten. Das Nicht-Ganze wird geachtet statt beklagt. Das Fehlende und das Dazwischen wird kraftvoll ausgelotet.

Das fragmentische Bewusstsein ist immer noch ein vernunftbasiertes Kopfbewusstsein, bringt jedoch qualitative Elemente stärker zum Zug als das auf Quantitatives fixierte rationale Bewusstsein. Dadurch wird der Mensch mitfühlender. Die Perspektive des jeweiligen Gegenübers nimmt an Wichtigkeit zu. Und zwar nicht nur, falls das Gegenüber angenehm oder nützlich ist.

Die beiden noch dominierenden Bewusstseinsformen, die mythische und die rationale, versuchen mit grosser Kraft, Homogenität zu schaffen, und zwar gemessen an dem, was angenehm ist. Letztlich wird ein biologisches Phänomen (angenehm, schön) zu einem moralischen Gebot (gut, lieb) gemacht. Daran ist grundsätzlich nichts auszusetzen, denn es ist schön, wenn es einem Menschen gut geht. Das mythische und das rationale Bewusstsein orientiert sich an der Biologie, indem es sich dem Angenehmen zu- und vom Nicht-Angenehmen abwendet. Das fragmentische Bewusstsein wird nun aber darüber hinausgehen, indem es sich auch dem Nicht-Guten, dem Gebrochenen, dem Üblen, zuwendet und ihm eine neue Bedeutung verleihen wird. Nicht etwa, um das Unangenehme zu verstärken, sondern um es ebenso ins bewusste Dasein aufzunehmen, wie das Angenehme.

Mit dem Perspektivenwechsel als ein Kernelement wird das fragmentische Bewusstsein fast automatisch ganzheitlicher (systemischer) und einfühlsamer. Es kräftigt eine partizipative und empathische Haltung des Menschen gegenüber anderen und der Natur und der Welt. Innerhalb dieser Bewegung wird dann auch das Integrale auftauchen als ein Bruchstück neben anderen. Das Ganze ist eben auch nicht alles, weil es das Nicht-Ganze ausser Acht lässt.

Für das Individuum wird der Übergang in ein fragmentisches Bewusstsein schwierig sein. Das mag vor allem künftige Generationen betreffen, aber manche Menschen werden in Flashes bereits jetzt damit konfrontiert. Virtuelle und fiktive Identitäten im Internet deuten ebenfalls bereits auf fragmentierte Persönlichkeitsstrukturen hin. Zukünftige Generationen werden unweigerlich mit Identitätsverlust und Desintegration des Individuums kämpfen. Integritäts- und Identitätsbrüche werden vor allem in der Anfangsphase ausgesprochen belastend sein, wenn die neuen bewussten Verbindungen noch nicht etabliert sind.

Wir tragen alle Bewusstseinsformen in uns

Rationales Denken geht seit der Aufklärung davon aus, die alten Bewusstseinsformen endgültig überwunden zu haben, aber tatsächlich tragen wir auch die alten Bewusstseinsformen in uns. Offensichtlich greifen Menschen jeder Bewusstseinsform in Notlagen, wenn es eng wird, auf älteres Bewusstsein zurück. Leider in der Regel auf die negativen Merkmale des früheren Bewusstseins, so wie mythische Abgrenzung und Abwertung oder magische Gewaltwirkung.

Rund 40% der westlichen Menschen haben mythisches Hauptbewusstsein. Diese ziehen alte Kulturen und altes Wissen vor und sind durchaus skeptisch gegenüber moderner Technik und Wissenschaften. Ebenfalls rund 40% der Westlichen haben rationales Hauptbewusstsein. Sie betrachten frühere Bewusstseinsformen als kindisch und lehnen sie ab. Aus diesen Gründen stehen mythisches und rationales Hauptbewusstsein einander meist als Rivalen gegenüber, sei es in der Politik, der Gesellschaft oder auf persönlicher Ebene.

Knapp 20% der Menschen erfahren Ansätze zu fragmentischem Hauptbewusstsein. In diesem Bewusstsein wird erkennbar, dass wir heutigen Menschen mehrere Bewusstseinsformen in uns tragen und uns in unterschiedliche Wirklichkeiten hineinbegeben können. So kann sich unsere Persönlichkeit auf vielfältige Weise mit der Welt in Beziehung setzen.

  Auspexis: Entwicklung des menschlichen Bewusstseins