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Fragmentisches Bewusstsein


Evolution des Bewusstseins
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Schritt für Schritt mehr…
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Ab Mitte 20. Jahrhundert
Ab Mitte 20. Jahrhundert
Post-rationale Grundlagen
Post-rationale Grundlagen
Neues Bewusstsein
Neues Bewusstsein


Fragmentisches Bewussstsein

Im Laufe des 20. Jahrhunderts hat das rationale Bewusstsein seinen Zenith erreicht. Es wird wie die früheren Bewusstseinformen auch weiter wirken, aber seine Bedeutung als westliches Hauptbewusstsein einbüssen. Doch was kommt als Nächstes? Wie wird das neue Bewusstsein sein? Wir können es nicht wissen. Aber wir können Techniken und Weisheit der bisherigen Bewusstseinsformen nutzen und die bereits sichtbaren Spuren der neuen erforschen. Diesem Vorhaben widme ich meine Zeit und Energie. Hier ein paar vorläufige Hinweise, in welche Richtung es gehen dürfte. Ich werde das Thema Schritt für Schritt ergänzen.

Ich bezeichne das sich neu zeigende Bewusstsein als fragmentisch. Mir ist klar, dass dies dem spirituellen Mainstream widerspricht, der vielmehr ein integrales Bewusstsein aufkommen sieht. Ich habe lahrelang ebenfalls in diese Richtung tendiert, mich aber immer wieder an Unstimmigkeiten gestossen. Mit dem fragmentischen Bewusstsein baue ich nun auf meiner eigenen Welterfahrung auf.

Das neue Bewussstsein zeigt sich mir als zutiefst pluralistisch. Mit einem ausgeprägten Sinn für Perspektivenwechsel. Während das rationale, mythische wie auch das transzendente Bewusstsein eine einmal verankerte Sichtweise nur sehr ungern aufgibt, gefällt sich das neue in der Veränderung. So werden viele angeblich unverbrüchliche Deutungsmonopole ihre Wirkung verlieren.

Aber es geht noch weiter: Anders als integrales Bewusstsein distanziert sich das fragmentische nicht von Trennungen oder Gegensätzen, vielmahr lenkt es die Aufmerksamkeit sogar ausdrücklich auf Bruchstücke, Widersprüche, Paradoxien und dergleichen. Daher die Namensgebung abgeleitet von Fragmenten. Das Nicht-Ganze wird geachtet statt beklagt. Das Fehlende und das Dazwischen wird kraftvoll ausgelotet.

Das fragmentische Bewusstsein ist immer noch ein vernunftbasiertes Kopfbewusstsein, bringt jedoch qualitative Elemente stärker zum Zug als das auf Quantitatives fixierte rationale Bewusstsein. Dadurch wird der Mensch mitfühlender. Die Perspektive des jeweiligen Gegenübers nimmt an Wichtigkeit zu. Und zwar nicht nur, falls das Gegenüber angenehm oder nützlich ist.

Die beiden noch dominierenden Bewusstseinsformen, die mythische und die rationale, versuchen mit grosser Kraft, Homogenität zu schaffen, und zwar gemessen an dem, was angenehm ist. Letztlich wird ein biologisches Phänomen (angenehm, schön) zu einem moralischen Gebot (gut, lieb) gemacht. Daran ist grundsätzlich nichts auszusetzen, denn es ist schön, wenn es einem Menschen gut geht. Das mythische und das rationale Bewusstsein orientiert sich an der Biologie, indem es sich dem Angenehmen zu- und vom Nicht-Angenehmen abwendet. Das fragmentische Bewusstsein wird nun aber darüber hinausgehen, indem es sich auch dem Nicht-Guten, dem Gebrochenen, dem Üblen, zuwendet und ihm eine neue Bedeutung verleihen wird. Nicht etwa, um das Unangenehme zu verstärken, sondern um es ebenso ins bewusste Dasein aufzunehmen, wie das Angenehme.

Mit dem Perspektivenwechsel als ein Kernelement wird das fragmentische Bewusstsein fast automatisch ganzheitlicher (systemischer) und einfühlsamer. Es kräftigt eine partizipative und empathische Haltung des Menschen gegenüber anderen und der Natur und der Welt. Innerhalb dieser Bewegung wird dann auch das Integrale auftauchen als ein Bruchstück neben anderen. Das Ganze ist eben auch nicht alles, weil es das Nicht-Ganze ausser Acht lässt.

Für das Individuum wird der Übergang in ein fragmentisches Bewusstsein schwierig sein. Das mag vor allem künftige Generationen betreffen, aber manche Menschen werden in Flashes bereits jetzt damit konfrontiert. Virtuelle und fiktive Identitäten im Internet deuten ebenfalls bereits auf fragmentierte Persönlichkeitsstrukturen hin. Zukünftige Generationen werden unweigerlich mit Identitätsverlust und Desintegration des Individuums kämpfen. Integritäts- und Identitätsbrüche werden vor allem in der Anfangsphase ausgesprochen belastend sein, wenn die neuen bewussten Verbindungen noch nicht etabliert sind.

Zeitliche Einordnung

Das rationale Bewusstsein ist vor rund zweieinhalb Tausend Jahren zum ersten Mal sichtbar geworden. Es war die Zeit der spätmythischen Depression. Die Götter zweifelten an den Menschen, wie überlieferte Mythen berichten, und die Menschen verzweifelten an den Herausforderungen, die sich aus aus den Erfolgen des mythischen Bewusstseins ergeben hatten. Schon damals war von Überbevölkerung und Übernutzung die Rede. Das myhtische Bewusstsein vermochte die Probleme nicht mehr lösen, während das rationale eine neue Weltsicht einbrachte, anders an die Dinge heranging und inkritischen Bereichen eine spürbare Entlastung brachte.

Für mich ist klar, dass das rationale Bewusstsein im 20. Jahrhundert seinen Zenith ebenfalls erreicht hat und nun selber in eine Art spätrationale Hektik geraten ist. Viele Verwerfungen, die auch der rationale Erfolg aufgetürmt hat, werden mit diesem aber nicht mehr gelöst werden. Ganz besonders gilt das für die Klimakrise. Das rationale Bewusstsein wird seine Kraft als westliches Hauptbewusstsein einbüssen. Das ist ein allmählicher Prozess, der viele Jahrzehnte und vermutlich Jahrhunderte erstrecken wird, wie das bei solch grossen Vorgängen halt ist.

Bemerkenswert scheint mir, dass das rationale Bewusstsein vor 100 Jahren selber die eignen Grenzen aufgezeigt hat. Dabei denke ich etwa an die grosse Kränkung des Selbstverständnisses als Mensch, als die Psychoanalyse auf die Tatsache aufmerksam machte, dass das Individuum keine homogene und unteilbare Einheit sei, sondern vielmehr ausgestattet mit einem heterogenen und unberechenbaren Inneren. Für ein Bewusstsein, bei dem sich alles um das stolze Individuum dreht, das sich dank seiner Vernunft aus den mythischen Stammesvorgaben und dann auch noch von Gott gelöst hat, ist das eine ziemliche Ernüchterung. Ausserdem denke ich an die Erkenntnisse der formalen Logik, als klar wurde, dass jedes logische System einer gewissen Aussagekraft einen Satz enthält, der genau dann wahr ist, wenn er falsch ist. Man darf sich die Formulierung durchaus etwas auf der Zunge zergehen lassen. Für ein Bewusstsein, bei dem Logik und Mathematik zur grundlegenden Basis des Weltverständnisses gehören, war diese Erkenntnis ein Schock. Der vernunftbasierte Weltzugang hat Grenzen. Es kann keine logische Letztbegründung für irgendetwas geben.

Über das Dasein der Menschheit als Homo Sapiens betrachtet, ist die Dauer der Bewusstseinsformen laufend kürzer geworden:
Hauptbewusstsein archetypisch - zwischen 200'000 und 300'000 Jahren
Hauptbewusstsein magisch - ca. 70'000 Jahre
Hauptbewusstsein mythisch - rund 10'000 Jahren
Hauptbewusstsein rational - ziemlich genau 2'000 Jahre
Hauptbewusstsein fragmentisch - schrittweise ab 21. Jahrhundert

Falls das gleich weitergeht, wird sich das neue, fragmentische Bewusstsein über mehrere Jahrhunderte entwickeln und sich nach und nach als Hauptbewusstsein zu den schon vorhandenen Bewusstseinsformen, der rationalen, transzendenten, mythischen, magischen und archaischen, dazugesellen.

Um herauszufinden, wie wird dieses neue Bewusstsein sein, benutze ich Methoden und Weisheit der bisherigen Bewusstseinsformen und erforsche die grob ab Mitte 20. Jahrhundert sichtbaren ersten Spuren.

Pluralismus und Perspektivenwechsel

Bevor ich das fragmentische Bewusstsein näher beschreibe, möchte ich kurz die Ausgangslage am Übergang zum 21. Jahrhundert skizzieren. Die einfachste Beschreibung des Überganges zum neuen Bewusstsein würde wie folgt lauten: Das fragmentische Bewusstsein löst das rationale ab so wie das rationale vor rund zweitausend Jahren das mythische abgelöst hat. Aber so einfach ist es nicht: das fragmentische Bewusstsein fügt sich den alten Bewusstseinsformen hinzu, es löst sie nicht ab.

Die früheren Bewusstseinsformen (mythisch, transzendent, rational) sind monistisch, d.h. auf ein letztes Einziges ausgerichtet. Bei ihnen dominiert das Eigene deutlich vor dem Anderen. Deshalb treten sie lieber separiert in ihrer Welt auf.

Weil mythisches Bewusstsein auf Stämme, Clans, Ethnien und Gemeinschaften ausgerichtet ist, betont es die Einzigartigkeit innerhalb der eigenen Gemeinschaft. Das ist durchaus wertend zu verstehen: Der eigene Stamm mit seinen Traditionen ist deutlich mehr wert als fremde Stämme. Die eigenen Menschen zählen mehr als fremde. Die eigenen Mythen deuten den Kosmos wahrhaftiger als fremde. Und über all dies hinaus lehnt mythisches Bewusstsein den rationalen Weltzugang weitgehend ab.

Ganz ähnlich das alte transzendente Bewusstsein, das auf abgeschlossene Religionen mit endgültigen Aussagen abzielt und andere Religionen und Bewusstseinsformen fernhält.

Im rationalen Bewusstsein betrifft die monistische Grundausrichtung vor allem das individuelle Ich-Selbst: Das autonome Individuum kann fast nicht anders als sich im Zentrum der Welt zu sehen. Selbstwert ist wichtiger als der Wert der Gemeinschaft. Darüber hinaus ist rationales Denken spätestens seit der Zeit der Aufklärung davon überzeugt, die alten Bewusstseinsformen endgültig überwunden zu haben.

All diese Bewusstseinsformen sind jeweils auf ein Einziges im Innern gerichtet und dadurch abgegrenzt vom Anderen und vom Äusseren. Jede kämpft von sich aus für die alleinige Deutungshoheit in der Welt. Das führt insbesondere zu einer handfesten Rivalität zwischen mythischem und rationalem Denken, die die modernen westlichen Gesellschaften ziemlich plagt.

Mit dem Übergang zum fragmentischen Bewusstsein wird aber deutlich, dass die Menschen auch die alten Bewusstseinsformen in sich tragen. Dann ist ein einzelner Mensch nicht mehr rein rational oder mythisch, sondern verfügt über ein Hauptbewusstsein neben all den anderen auch. Das Hauptbewusstsein ist die am stärksten wirksame Bewusstseinsform eines Menschen. Dasselbe gilt für die Menschheit als Kollektiv. Das aktuelle westliche Menschheitsbewusstsein ist rational, obwohl vermutlich mehr Menschen auf der Erde mythisches Hauptbewusstsein haben als rationales.

Grob geschätzt haben 40% der westlichen Menschen mythisches Hauptbewusstsein. Diese ziehen alte Kulturen und altes Wissen vor und sind durchaus skeptisch gegenüber moderner Technik, Wissenschaften und Medizin. Ebenfalls rund 40% haben rationales Hauptbewusstsein. Sie betrachten frühere Bewusstseinsformen als kindisch und lehnen sie ab. Gegen 20% der Menschen erfahren Ansätze zu fragmentischem Hauptbewusstsein. In diesem Bewusstsein wird erkennbar, dass wir heutigen Menschen mehrere Bewusstseinsformen in uns tragen und uns in unterschiedliche Wirklichkeiten hineinbegeben können. So kann sich die Persönlichkeit auf vielfältige Weise mit der Welt in Beziehung setzen. Und schliesslich mögen ein paar Prozent kleine Anteile magisches oder integrales Hauptbewusstsein haben.

Interessanterweise werden auch Menschen mit rationalem und mythischem Hauptbewusstsein älteres Bewusstsein zurückgeworfen obwohl sie eigentlich davon ausgehen, dieses überwunden zu haben. Weil das in der Regel unbewusst und in Notlagen geschieht, erfolgt der Rückgriff leider meist auf die negativen Merkmale des alten Bewusstseins, so wie mythische Abgrenzung und Abwertung des Anderen oder magische Machtausübung, auch mit Gewalt.

Demgegenüber können fragmentische Menschen bewusst auf die positiven Merkmale aller Bewusstseinsformen zurückgreifen, wenn sie das lernen. Das wäre namentlich tiefe Geborgenheit im mythischen oder unverstellte Körperlichkeit im magischen Bewusstsein.

Was am fragmentischen Bewusstsein also zuerst auffällt, ist seine zutiefst pluralistische Grundhaltung. Nachdem diese in die Welt gekommen ist, können sich die Spannungen zwischen unterschiedlichen Bewusstseinsformen allmählich auflösen. Der Wechsel der Perspektive war natürlich immer schon möglich, aber im neuen Bewusstsein greift er viel tiefer. Die neue Lust am und das wachsende Bedürfnis nach Perspektivenwechseln führt zu Multipluralität, in ein Vielfaches aus Teilen, Standpunkten, Übergängen und Fügungen. Dieses neue Bewusstsein, so wie es sich mir zeigt, ist fragmentisch.

Fragmentisches ist immer noch ein vernunftbasiertes Kopfbewusstsein, bringt jedoch qualitative Elemente stärker zum Zug als das auf Quantitatives fixierte rationale. Die pluralistische Perspektive des jeweiligen Gegenübers nimmt an Wichtigkeit zu. Dadurch kann der Mensch noch einmal mitfühlender werden.

Das eröffnet neue Möglichkeiten. Aber auch neue Probleme. Zunehmende Komplexität zum Beispiel. Das Leben wird vielfacher, nicht einfacher, wenn es mehrere Welterklärungssysteme, aber keine letztgültige Perspektive gibt. Auch wohnt dem Pluralistischen ein Hang zur Beliebigkeit inne, was neue Schwierigkeiten schafft. Wenn alles irgendwie möglich ist, dann scheint auch alles irgendwie gleichwertig, was natürlich faktisch nicht so ist. Es braucht Übung, Zeit und Aufwand, um sich im neuen Bewusstsein zurechtzufinden.

Fragmentisches und/oder integrales Bewusstsein

Als ich vor Jahren begann, mich mit Bewusstseinsentwicklung zu beschäftigen, haben mich ganz besonders die Schriften von Jean Gebser (Ursprung und Gegenwart) und Ken Wilber (Integral Spirituality) beeindruckt und beeinflusst. Dabei bin ich erstmals auf Beschreibungen eines neuen Bewusstseins gestossen, welches als integral beschrieben wurde. Auch die zahlreichen Spielarten integraler Theorie und Praxis, wie sie in spirituellen und esoterischen Kreisen beliebt sind, kann ich nicht ignorieren. Sie alle sprechen vom Integralen als einem Bewusstsein, das Trennungen überwindet und auf ein integriertes Ganzes hinwirkt. Der Begriff des Integralen in der philosophisch-spirituellen Diskussion ist differenziert und geniesst völlig zurecht einiges Ansehen. Auf dieser Grundlage habe ich das Integrale ohne viel nachzudenken als neues, post-rationales Bewusstsein übernommen und das entstehende Bewusstsein in meinen damaligen Büchern ebenfalls integral genannt.

Allerdings bin ich ein gewisses Unbehagen nie ganz losgeworden und das hängt mit sprachlichen Unterschieden von integrierend und integral zusammen.

Integrierende Techniken sind wertvoll. Mit ihnen nehmen wir auch an, was wir nicht sein möchten, aber halt trotzdem sind. Wir verbinden uns auch mit dem Unschönen, Negativen, Schlimmen, Leidvollen, weil es zum Leben gehört. Wir nehmen die Welt, wie sie ist, und nicht so, wie wir sie gerne hätten. Durch Integration machen wir vormals Unbewusstes bewusst und beschäftigen uns damit, statt uns davon zu distanzieren. Dadurch werden wir vollständiger, ganzer. Integrieren macht Fragmente bewusst und spielt auch im fragmentischen Bewusstsein eine sehr wichtige Rolle.

Demgegenüber habe ich mich von der Idee eines integralen Bewusstseins auf eine falsche Fährte führen lassen. Das betrifft insbesondere:

Sehnsucht nach einem erlösenden Ganzen: Die Dinge integral zu betrachten bedeutet, alles einzubeziehen. Davon handelt Integrieren. Doch mit dem Begriff des Integralen wird auch Bezug zu einer Ganzheit hergestellt, welche meines Erachtens allzu oft überhöht und überbewertet wird. Dann wird ein universelles Ganzes gerne als verlorene Einheit gesehen, die es wieder zu erlangen gelte. Integrales Bewusstsein werde letztlich all die Trennungen, die durch menschliches Erkennen in die Welt gekommen seien, überwinden. Das integrale Bewusstsein werde zu einer finalen Ganzheit und wundersamen Entlastung von irdischem Leiden führen. Aber daran kann ich nicht glauben. Im Gegensatz dazu geht das fragmentische Bewusstsein davon aus, dass es für bewusste Menschen keine endgültige Lösung geben kann.

Geringschätzung des Nicht-Ganzen: Mit der Huldigung des universellen Ganzen verbunden ist die Geringschätzung des Kleinen, Gebrochenen, Unvollständigen. Es liegt in der Natur der Menschen und Tier, das Schmerzhafte zu meiden, Krankheiten zu heilen und Leiden zu überwinden. Deshalb wird offenbar gerne geschlossen Glücklichsein, Liebe, Licht und Einheit seien nur gut während umgekehrt Leiden, Gewalt, das Dunkle und Bruchstücke nur schlecht seien. Was wiederum zur Idee führt, Letzteres aus dem Leben auszuschliessen. Doch das dürfte ein Fehler sein, wenn es um Bewusstsein geht.

Zivilisationskritik: Die Ausgangslage für integrales Bewusstsein wird in der Literatur fast durchwegs mit dem vermeintlich schlechten Zustand moderner Zeit begründet. Oft läuft das auf ein eigentliches Zivilisations-Bashing hinaus. Die Missbilligung rationalen Bewusstseins in modernen Gesellschaften mündet letztlich in der Überzeugung, dass das Leben früher sehr viel besser gewesen sei und mit dem integralen Bewusstsein auch wieder sehr viel besser sein werde. Dem kann ich nicht zustimmen. Sämtliche Bewusstseinsformen, ob ältere, aktuelle oder zukünftige, haben gleichermassen Vorzüge wie auch Nachteile.

Auch ich kenne den tiefen Wunsch nach Entlastung und das Streben nach universeller Gültigkeit. Erlösungssehnsucht drückte sich bei mir jahrzehntelang als ausgeprägtes Harmoniebedürfnis aus, die Ausrichtung an einem finalen Ganzen als intellektuelle Suche nach eindeutigen Antworten. Doch unterdessen suche ich nicht mehr so sehr, was uns Menschen guttut, sondern ich erforsche das Bewusstsein, so wie es sich neu entfaltet und das rationale ablöst. Ich suche nach dem Bewusstsein, so wie es ist und nicht mehr so, wie ich es gerne hätte.

Wenn ich also meine eigenen Harmoniebedürfnisse herausrechne, wenn ich meinen Schmerz am Leiden der Menschen in der Welt in den Hintergrund meditiere, wenn ich die entsprechenden kognitiven Verzerrungen überwinde und das neue Bewusstsein möglichst direkt gewahre, dann zeigt sich mir durchaus ein integrierendes, aber kein integrales Bewusstsein. Dabei zeigt sich ein Bewusstsein das sich intensiv mit Brüchen und Lücken des Daseins, mit Widersprüchen der Weltwahrnehmung und mit Limiten der Weltkreation auseinandersetzt. Ich treffe auf ein Bewusstsein, das sich achtsam zwischen den unterschiedlichsten Fragmenten des Daseins bewegt.

Was ich jedoch nicht erkenne, ist ein zukünftiges Bewusstsein, das unsere menschlichen und moralischen Herausforderungen schon fast automatisch beheben würde, etwa indem es die als leidig betrachteten Trennungen durch Integration überwindet oder indem es in Zukunft auf eine wie auch immer geartete höhere Schwingungsebene wechselt. Nicht ein zukünftiges Bewusstsein wird das Schlimme aus der Welt entfernen, das müssen wir Menschen schon selber tun, ganz unabhängig vom Bewusstsein, das wir vorziehen.

Für mich ist der Weltzugang über fragmentisches Bewusstsein sehr viel stimmiger als über das integrale.

Ich lasse das fragmentischen Bewusstseins weiter auf mich wirken...
An dieser Stelle folgt Schritt für Schritt mehr...

  Auspexis: Entwicklung des menschlichen Bewusstseins