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Neues Bewusstsein

Dreh- und Angelpunkt des rationalen Bewusstseins ist das autonome Individuum. Eine der ganz grossen Leistungen des rationalen Bewusstseins war es, dem einzelnen Menschen einen würdigen Platz verschafft zu haben im Universum.

Doch unterdessen ist das rationale Bewusstsein in seiner Spätphase in eine fundamentale Krise geraten, was auch auf individueller Ebene bemerkbar ist.

Mit Sigmund Freud und C.G. Jung ist klar geworden, dass das rationale Individuum (lat. in-dividuum, un-teilbar) eben doch teilbar ist und von un-, unter- und überbewussten Sphären beeinflusst wird, die sich der willentlichen Kontrolle entziehen. Der Mensch ist nach einem Wort Freuds "nicht mehr Herr in seinem eigenen Haus".

Spätrationale Übertreibungen und Überforderungen auf individueller Ebene sind:
- Vereinzelung, Einsamkeit
- Ungleichheit, Entsolidarisierung
- Entfremdung des Einzelnen vom Ganzen

In der spätrationalen Depression entgleitet sich das Individuum selber.

Grundcharakteristika des neuen Bewusstseins

  • Bewusstseinsformen - Alte und neue Bewusstseinsformen, Deutungsrahmen, Weltzugänge, Wirklichkeiten werden gleichermassen respektiert und gepflegt.
  • Perspektivenwechsel - Das pluralistische Bewusstsein begünstigt Perspektivenwechsel. Diversität und Komplexität sind natürliche Folgen davon.
  • Mitgefühl - Empathie und Mitgefühl werden grundlegender und stärker. Menschen mit pluralistischem Bewusstsein werden Moral zunehmend verinnerlichen und aus sich heraus tun wollen, was bisher von aussen von ihnen gefordert worden war.
  • Individualität - Das Erleben von Individualität und Identität wird prekärer als im rationalen Bewusstsein, das sich um ein starkes und autonome Ich-Selbst dreht. Identitäten werden fliessender und fragmentierter, längerfristig bis hin zu Erfahrungen von Ich-Auflösung.
  • Seinsgrundlagen - Die unvereinbar scheinende Dualität von Materie und Geist wird nach und nach schwächer werden. Physikalische und spirituelle Seinsgrundlagen werden dann als gleichermassen real betrachtet werden können.
  • Unschärfe - Unschärfe nimmt zu. Das einfache Richtig-oder-Falsch wird seltener, die Unterscheidung zwischen Wahrheit und Fake anspruchsvoller werden.
  • Gegenkräfte - Die neuen Bewusstseinsformen werden das Leben tiefer und reicher machen, aber auch sehr viel komplexer. Deshalb wird es immer auch darum gehen, die unvermeidlichen Herausforderungen, die das mit sich bringt, zu mildern. Pluralität ist vor allem zu Beginn mit einem Hang zur Beliebigkeit und Entsolidarisierung verbunden. Überforderung führt typischerweise dazu, dass sich Menschen in alte Bewusstseinsschichten zurückziehen, und wenn dies unbewusst geschieht, werden leicht die negativen Wirkkräfte aktiviert. Rückgriffe auf populistischen Autoritarismus, ausgrenzenden Nationalismus und auf terroristische Gewalt sind Zeichen davon.

Die rationale und westliche Deutungshoheit, die sich in den vergangenen Jahrhunderten durch Kolonisierung, Wissenschaft und Technisierung weltweit etabliert hattte, erhält globale Konkurrenz. Wir westlichen, rationalen Menschen erleben diesen Prozess als Kränkung und werden darunter leiden bis wir uns dann in einer neuen Ordnung wieder besser erkennen werden.

  Auspexis: geistig, seelisch, vital